16. November 2017
 

Neo-Kannibalismus und ISIS: Organhandel füllt die Kriegskassen

 

Die Terrormiliz ISIS hat sich am Organhandel beteiligt. Prof. Dr. Nancy Scheper-Hughes (Berkeley/USA) berichtet über Hinweise auf die Ermordung "ungläubiger" Gefangener und anschließende Organentnahmen. Der Bericht "Neo-Cannibalism and ISIS" erscheint in dem aktuellen Fachbuch "Ethical, Legal and Psychosozial Aspects of Transplantation".

Im Internet kursiert im ISIS-Kontext als Fatwa Nr. 68 u.a.:

"Ist es erlaubt, Organe von ungläubigen Gefangenen für Moslems zu entnehmen? Antwort: Ja, Gott kennt am besten die Vorzüge eines Organtransplantats von einem Ungläubigen für den Körper eines Moslem. Dies ergibt sich evident aus allen einschlägigen religiösen Schriften."

"Nach den Experten der Shafi´i und Hanbali-Schulen islamischer Jurisprudenz ist es einem Moslem erlaubt, Ungläubige zu töten und ihr Fleisch zu essen, um einem Hungertod zu entgehen." Entsprechendes gelte für eine Organentnahme, wenn ein Moslem nur durch eine Transplantation von einem Leiden befreit bzw. vor dem Tod gerettet werden kann. "Das Leben und die Organe eines Ungläubigen sind durch die muslimische Jurisprudenz nicht geschützt."

Scheper-Hughes: In Syrien florierte bereits vor dem Krieg der Organhandel. Mit zunehmender Not wuchs er kontinuierlich. In Flüchtlingslagern der Nachbarländer suchen ISIS-Dealer gesunde, kräftige Organspender: Geld wird versprochen - und eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Die Transplantationen finden meist in privaten Kliniken im Libanon oder Istanbul statt. Die wohlhabenden Empfänger stammen oft vom persischen Golf. Die Dealer kassieren den größten Teil des Profits, die Spender werden mit ein- oder zweitausend Dollar abgespeist. Ihre medizinische Versorgung ist katastrophal - häufig ohne Schmerzmittel und Antibiotika. Über Todesfolgen wird mehrfach berichtet.

Die Informationen aus den eigentlichen Kriegsgebieten sind ungenau. Unklar ist, ob und ggfs. wieweit dort tatsächlich die technischen Möglichkeiten für eine Organentnahme bestanden. Es werden zwei Fälle berichtet, in denen Chirurgen hingerichtet wurden, die sich geweigert hatten, von Gefangenen Organe zu explantieren.
 

   

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