21. September 2017
 

"Das Schöne ist doch, dass jeder selbst Vorsorge treffen kann"

 

Bis zu 50 Prozent der Krebsfälle wären einfach zu verhindern, belegen Studien. Trotzdem ist die Zahl der Krebsneuerkrankungen im Zehnjahreszeitraum bis 2015 weltweit um über 30 Prozent gestiegen. Die Vorsorge nimmt eine Schlüsselrolle ein bei der Eindämmung von Krebs, erklärt Prof. Stefanie Klug, Inhaberin des Lehrstuhls für Epidemiologie an der Technischen Universität München (TUM). Klug befasst sich unter anderem mit der Krebsfrüherkennung. Im Interview spricht die Professorin über Krebsscreenings, Vorsorgemuffel und was jeder Einzelne gegen Krebs tun kann.

Prof. Klug ist seit 2011 Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) und hat an den Empfehlungen zur Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) maßgeblich mitgewirkt.

TUM: Wie hoch ist denn die Teilnahme an der Krebsvorsorge – können Sie dazu generelle Aussagen treffen?
Prof. Stefanie Klug: Nehmen wir zum Beispiel den Pap-Abstrich (Anm.: Abstrich vom Muttermund der Frau, um mögliche Krebszellvorstufen von Gebärmutterhalskrebs frühzeitig zu erkennen): Dieser ist harmlos und viele spüren ihn nicht einmal, dennoch liegt die jährliche Teilnahmerate nur bei 50 bis 60 Prozent.

Woran liegt es denn, dass so viele nicht zur Vorsorge gehen?
SK: Einige Menschen kennen diese Angebote nicht. Andere haben Angst vor einer Krebsdiagnose oder kein Vertrauen in den Arzt. Doch das ist gefährlich: Wenn eine Erkrankte mit dem Arztbesuch zu lange wartet, kann die Krankheit unter Umständen so fortgeschritten sein, dass nicht mehr viel zu retten ist. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, Wege aufzuzeigen, wie solche Personen motiviert werden können, trotz ihrer Ängste zur Untersuchung zu gehen.

Wie können Menschen dazu motiviert werden, zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen?
SK: Wir haben vor einiger Zeit eine Studie namens MARZY durchgeführt, dabei ging es um die Teilnahme an der Krebsfrüherkennung. Es war eine Studie mit insgesamt über 5000 Teilnehmerinnen. Heraus kam, dass gerade bei älteren und sozial schwächeren Frauen eine persönliche Einladung zu der Untersuchung viel bewirkt. Das ist aufs Darmkrebsscreening vermutlich genauso übertragbar. Teilweise wissen viele nicht, dass Vorsorgeuntersuchungen kostenlos sind, da könnte eine Erinnerung vom Hausarzt viel helfen.

Wie oft sollte jemand zu einem Krebsscreening gehen?
SK: Das hängt vom Alter und von der Screeninguntersuchung ab. Im Jahr 2013 wurde auf der Basis des Nationalen Krebsplanes das Krebsfrüherkennungs- und registergesetz vom Bundesministerium für Gesundheit erlassen, das im Bundestag verabschiedet wurde. Bis 2018 soll nun ein organisiertes Krebs-Screeningprogramm für Gebärmutterhals- und Darmkrebs mit einem Einladungsschreiben eingeführt werden. Die Eckpunkte für das Gebärmutterhalsscreening: Für Frauen zwischen 20 und 34 Jahren bleibt es beim jährlichen Pap-Abstrich, Frauen ab 35 sollen nur noch alle drei Jahre den Pap-Abstrich machen lassen. Aber – und dafür haben wir lange gekämpft – es wird zusätzlich für diese älteren Frauen ebenfalls alle drei Jahre einen HPV-Test geben. Denn wir wissen, dass HPV die Ursache für diese Krebsart ist und die allermeisten Frauen sind negativ. In dem Fall liegt bei Frauen kein Risiko für die Erkrankung vor. Die wenigen HPV-positiven Frauen in diesem Alter – es sind weniger als zehn Prozent – müssen dagegen engmaschig beobachtet werden. Auch bei Darmkrebs soll es wiederum künftig eine persönliche Einladung zur Darmspiegelung (Koloskopie) im 55. Lebensjahr geben. Ist alles in Ordnung, dann erfolgt eine Wiederholung zehn Jahre später. Wer familiär vorbelastet ist, der hat natürlich die Möglichkeit, früher zum Screening zu kommen.

Quelle: https://idw-online.de/de/news681441
 

   

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