7. September 2017
 

Pharmakotherapie: Wie Benzodiazepine den Weg in die Demenz bahnen

 

Benzodiazepine – etwa 50 verschiedene Medikamente – werden trotz ihres Suchtpotenzials immer häufiger, immer länger und in immer höheren Dosierungen genommen. Die Wirkungen sind vielseitig: sedierend-angstlösend, antidepressiv, schlaffördernd u.a.. Bei überreichlicher Einnahme kann es jedoch – v.a. bei Älteren – zu einer paradoxen, d.h. exakt gegenteiligen Wirkung kommen: Betroffene werden hellwach, hochaktiv und aggressiv. Professor Dr. Thomas Köhler warnt in seinem aktuellen Kompendium „Pharmakotherapie in der Psychotherapie“ vor riskanten Überraschungen bei der Medikation.

Einerseits fördern Benzodiazepine das Einschlafen und verlängern den Schlaf. Doch die Schlafarchitektur wird anderseits gestört: Der Tiefschlaf und die REM-Phasen werden verkürzt, „sodass insgesamt ein wenig modulierter Schlaf mittlerer Tiefe resultiert.“ Der Schlaf wird damit auch bei längerer Dauer weniger erholsam.

„Als häufig verzögerte Wirkung ist der Hangover zu nennen, d.h. Müdigkeit und Verlangsamung lange nach Einnahme der Substanz… Ebenfalls als verzögerte Wirkung ist die insbesondere bei Älteren entstehende Dauersedierung anzusehen. Sie kann zu deutlichen kognitiven Einschränkungen führen (arzneimittelinduzierte Demenz).“ Insbesondere in Altenheimen werden Benzodiazepine großzügig gereicht und Bewohner damit ruhiggestellt. Das Gedächtnis wird dadurch wesentlich gestört und kann zeitweise völlig aussetzen – wie bei einem Filmriss nach einem exzessiven Trinkgelage. Der Weg in die Demenz ist damit konsequent gebahnt.
 

   

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