28. Juni 2017
 

Nephrologie: Wie ein Dialyseabbruch entschieden und umgesetzt werden kann

 

Nephrologie: Immer häufiger wird eine Dialysebehandlung abgebrochen, wenn der subjektive Nutzen der Lebensverlängerung deutlich geringer ist als das Leiden. Die Behandlung wird rein palliativ, der Nephrologe und das Pflegepersonal leisten passive Sterbehilfe. Der Patient stirbt innerhalb von acht bis zehn Tagen. Wie sollte sich das Behandlungsteam im Entscheidungsprozess und während der letzten Lebenstage verhalten? Dr. Susanne D. Kuhlmann (Berlin) gibt in einem Beitrag zum aktuellen Lehrbuch für Nieren- und Hochdruckkrankheiten differenzierte und ausführliche Empfehlungen.

"Der vom Patienten initiierte Dialyseabbruch ist weder juristisch, noch medizinethisch, noch aus Sicht der christlichen Religionen ein Suizid. Suizid kommt bei Dialysepatienten zwar sehr selten, aber doch häufiger vor als in der Gesamtbevölkerung. Betroffen ist allerdings ein anderes Patientenkollektiv: Während beim Dialyseabbruch in der Regel der körperliche Verfall im Vordergrund steht, sind beim Suizid Probleme mit der Dialysetherapie als solcher, Drogen- und Alkoholabusus sowie psychiatrische Erkrankungen auslösende Faktoren," berichtet Kuhlmann.

In Anlehnung an amerikanische Leitlinien empfiehlt sie im Vorfeld eines Dialyseabbruchs "einen dialogischen und prozessualen Entscheidungsfindungsprozess, der neben dem Patienten, bzw. seinem gesetzlichen Vertreter und den behandelnden Nephrologen, auch Angehörige, Freunde, Pflegepersonal, evtl. Psychologen und Ethiker involvieren soll. Transparenz und Information stehen im Vordergrund, alle Beteiligten sollen umfassend informiert sein bezüglich Diagnose, Prognose, Behandlungsalternativen, Lebensqualität, Dialyseabbruch und Palliation."

Die Ärztin hat einen Paradigmenwechsel beobachtet: Während früher das Wohlergehen des Patienten im Vordergrund stand, trat allmählich seine Autonomie an die erste Stelle. Doch inzwischen "wird der fürsorgliche Ansatz wiederentdeckt. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass der Patient, gerade im terminalen Nierenversagen, physisch wie psychisch, wie organisatorisch überlastet ist. Er sieht sich einem tatsächlichen, wie mitunter auch nur vermeintlichen Druck der Umwelt ausgesetzt. Er muss Krankheit und Sterben akzeptieren und bewältigen. Autonomie wird in diesem Kontext oft als Überforderung empfunden..."
Damit steigen Verantwortlichkeiten für den Nephrologen und das Dialyse-Pflegepersonal. Susanne Kuhlmann beschreibt detailliert die Probleme und Lösungsmöglichkeiten.
 

   

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