11. April 2017
 

Tabakkonsum weiter rückläufig, E-Zigaretten auf dem Vormarsch

 

 

Auch im Jahr 2016 ist der Konsum von Tabakprodukten merklich zurückgegangen, Fertigzigaretten wurden um 7,7% weniger nachgefragt als im Jahr 2015. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene rauchen deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Damit verbunden sind auch immer weniger Menschen durch Passivrauchen in Innenräumen belastet. Wie diese Zahlen zeigen, waren die in den letzten Jahren umgesetzten Maßnahmen der Tabakprävention wie auch diejenigen der Tabakkontrollpolitik durchaus erfolgreich. Ihre konsequente Fortführung und Intensivierung ist für eine nachhaltige Verringerung des Tabakkonsums jedoch unbedingte Voraussetzung. E-Zigarette und E-Shisha werden in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen und sollten daher in Präventionsstrategien und präventionspolitischen Überlegungen ebenfalls berücksichtigt werden, berichtet das Jahrbuch Sucht 2017.

Dem sinkenden Gesamtkonsum stehen stagnierende Raucherquoten im mittleren und höheren Alter gegenüber, auch nehmen nur wenige Raucher die vorhandenen Tabakentwöhnungsangebote in Anspruch. Und schließlich bestehen soziale Unterschiede beim Rauchverhalten: Am meisten wird in den sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen geraucht, wodurch sich nicht nur deren gesundheitliche Gesamtsituation, sondern auch die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert.

Immer noch ist das Rauchen in den Industrienationen die führende Ursache vorzeitiger Sterblichkeit. Raucherinnen und Raucher leiden vermehrt an Herz-Kreislauf, Atemwegs- und Krebserkrankungen. Allein in Deutschland starben im Jahr 2013 rund 121.000 Menschen, hinzu kommen etwa 3.300 Todesfälle durch Passivrauchen. Auch wirtschaftlich schlägt der Tabakkonsum in Deutschland negativ zu Buche: Die durch das Rauchen verursachten Kosten belaufen sich im Jahr auf rund 79 Mrd. Euro, dem stehen Nettoeinnahmen aus der Tabaksteuer von 14,2 Mrd. Euro gegenüber.


E-Zigaretten und Shishas: Ausstiegshilfe oder Einstiegsprodukt?

Die Markteinführung von E-Zigaretten und Shishas hat in den letzten Jahren auch in Deutschland zu einer intensiven Diskussion über deren Chancen und Risiken geführt. Dabei standen im wesentlich zwei Fragen im Fokus: Stellen E-Zigaretten eine wirksame Ausstiegshilfe oder zumindest eine Strategie zur Schadensminimierung von tabakrauchbedingten Gesundheitsschäden („harm reduction“) dar oder sind sie im Gegenteil ein mögliches Einstiegsprodukt ins Tabakrauchen.

Hinsichtlich der Bewertung der neuen Nikotinprodukte für die Verbraucher und für die Tabakprävention hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen bereits im September 2016 eine Stellungnahme zur so genannten „Harm Reduction“ vorgelegt. Danach bedeutet der vollständige Umstieg von der Tabak- auf die E-Zigarette für Raucher in der Tat eine Schadensminderung. Nachgewiesen ist die Wirksamkeit der E-Zigarette als Hilfsmittel zum Rauchstopp jedoch nicht. Häufiger als der komplette Umstieg auf E-Zigaretten als Ausstiegsstrategie scheint der duale Konsum zu sein. Gemeint ist damit die parallele Verwendung von E-Zigaretten und Tabakzigaretten.

Darüber hinaus könnten E-Zigaretten ein mögliches Einstiegsprodukt für Jugendliche in das Tabakrauchen und in eine Nikotinabhängigkeit sein. Und der E-Zigarettenkonsum in der Öffentlichkeit könnte zu einem positiven Image des Rauchens beitragen und damit die Renormalisierung des Tabakrauchens fördern. Langfristig sind zudem schwerwiegende Gesundheitsschäden für die Konsumenten nicht auszuschließen. Und schließlich besteht eine Belastung Dritter durch das E-Zigarettenaerosol in der Raumluft. Im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit können E-Zigaretten daher nicht bedenkenlos als Harm Reduction-Strategie empfohlen werden, insbesondere solange die Sicherheit und Wirksamkeit von E-Zigaretten nicht durch klinische Studien nachgewiesen sind.


Kontakt:
Dr. Martina Pötschke-Langer
Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. (ABNR) und Mitglied im Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen
Büro Berlin des ABNR Schumannstrasse 3, 10117 Berlin
mpl@abnr.de

weitere Informationen unter:
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)
Tel.: +49 2381 9015-0

Quelle:
www.dhs.de
 

   

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